Lokomotionstherapie auf dem Laufband

Seit 1995 wird im Querschnittgelähmten-Zentrum die Lokomotionstherapie auf dem Laufband angeboten. Die technische Vorrichtung besteht aus einem motorbetriebenen Laufband und einer Aufhängung, durch die der Patient von seinem Körpergewicht entlastet wird. Während der Therapie hilft ein Lokomat dem Patienten, seine Beine in einem physiologischen Gangmuster nach vorn zu setzen.

Gangtraining im Lokomat

Gangtraining im Lokomat

Entwickelt wurde diese Therapie nach Erkenntnissen bei Tierexperimenten. Wissenschaftler erkannten nämlich, dass bei einer Katze mit durchtrenntem Rückenmark auf einem Laufband gangspezifische Bewegungsabläufe ausgelöst werden konnten, wenn das Tier mit einem Gurt von einem Teil seines Eigengewichts befreit wurde. Im weiteren Forschungsprozess wurde dies auf den Menschen übertragen.
Auch beim Menschen gibt es auf Rückenmarksebene motorische Zentren, in denen Bewegungsmuster gespeichert sind. Diese Bewegungsmuster können bei Patienten mit Rückenmarksschädigung durch äußere Reize abgerufen und aktiviert werden. Einen funktionellen Nutzen im Sinne einer Gangschulung kann jedoch nur ein Patient ziehen, der nicht komplett gelähmt ist und die aktivierte Beinmuskulatur noch willkürlich kontrollieren kann.

Voraussetzungen für eine Lokomotionstherapie sind

Die Schreitreflexe, die bei komplett motorisch gelähmten Patienten auslösbar sind, können unserer Meinung nach funktionell nicht genutzt werden und werden daher nicht im Laufband trainiert.

Ziele der Lokomotionstherapie sind

In der Anfangsphase ist fast immer die Unterstützung durch zwei Therapeuten sowie eine starke Entlastung vom eigenen Körpergewicht nötig. Im weiteren Verlauf werden diese Hilfen dann verringert. Dabei geht es in erster Linie darum, wieder gehen zu können. Manchmal allerdings steht auch die Verbesserung der Rumpfaktivität im Vordergrund, damit ein Patient besser sitzen kann.
Insbesondere beim zentralen Halsmarksyndrom schließt die Lokomotionstherapie eine Lücke. Diese Patienten haben häufig eine Bein- und Rumpfmuskulatur, die gut mit Nerven versorgt ist. Aufgrund fehlender oder mangelhafter Arm- und Handfunktion ist es ihnen jedoch nicht möglich, sich mit Hilfsmitteln wie Unterarmstützen oder dem Rollator zu stabilisieren. Auf dem Laufband können sie frühzeitig mit dem Steh- und Gehtraining beginnen, ohne dabei die Arme einsetzen zu müssen. Durch das Gurtsystem wird ein Sturzrisiko komplett vermieden.

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