Sporttherapie für Querschnittgelähmte
Die Sporttherapie für Querschnittgelähmte im Zentrum für Rehabilitationsmedizin (ZRH) findet täglich in der krankenhauseigenen Sporthalle sowie im angegliederten Schwimmbad, der Bogenschießanlage, der Kegelbahn sowie in diversen Außensportanlagen statt.
Ziele der Sporttherapie
- Optimale Mobilität
- Höchster Grad an Selbständigkeit
- Vom Kliniksport zum lebenslangen Sporttreiben
- Aktive Nutzung der DRS-Angebote
Dabei sollen Patienten darauf vorbereitet werden, außerhalb des Klinikbetriebes langfristig Sport zu treiben. Dieses Ziel wird durch eine Verbesserung der Körper- und Sportgerätebeherrschung, durch stärkere physische und psychische Belastbarkeit, Gruppenfähigkeit, Motivation und Schulung technischer sowie taktischer Fähigkeiten im Bereich der Rollstuhlsportarten erreicht.
Therapiemodule
Funktionelle Oberkörpergymnastik
Die Funktionsgymnastik richtet sich an Para- und Tetraplegiker. Das Antreiben des Rollstuhls sowie der ständige Einsatz von Schultergürtel- und Armmuskulatur führen schnell zu Verspannungen und auch zur Überlastung. Spezielle Entspannungs- und Dehntechniken des Oberkörpers sollen Verspannungen entgegenwirken oder abbauen.
Schwimmtherapie
Der Schwimmunterricht richtet sich an Para- und Tetraplegiker mit unterschiedlichem Leistungsvermögen. Dabei sind die Schwimmtechniken der Behinderung angepasst. Mit Schnorcheln, Streckentauchen und Spielen wird versucht, folgende Ziele zu vermitteln:
- Beherrschung von Schwimmtechniken
- Selbständigkeitstraining
- Angstabbau
- Spastikprophylaxe
- Verbesserung von muskulären Restfunktionen
- Verbesserung der Ausdauerleistungsfähigkeit und der Koordination.

Schwimmtherapie
Medizinisches Aufbautraining
Innerhalb des Medizinischen Aufbautrainings werden alle stationären und ambulanten querschnittgelähmten Patienten mit muskulären Rückbildungen, Insuffizienzen und Dysfunktionen behandelt. Nach wissenschaftlichen Prinzipien werden die Trainingsinhalte auf die jeweilige Funktionsstörung der betroffenen Extremität ausgerichtet.
Das Medizinische Aufbautraining hat folgende Ziele: Verbesserung der Herz-Kreislauf- Tätigkeit; Muskelaufbau und Verbesserung von Kraftausdauer, Schnellkraft und Maximalkraft; Abbau muskulärer Dysbalancen; Vermittlung von Dehntechniken; Verbesserung von Koordination und Statik; Vorbereitung der die Schulter umspannenden Muskulatur auf die querschnittbedingte Mehrbelastung; Förderung der Selbständigkeit von Querschnittgelähmten durch aktive Beteiligung an trainingsorganisatorischen Abläufen; Entwicklung und Stärkung der Sitzbalance; Spasmusprophylaxe durch CPM-Programme für Ober- und Unterkörper; Aufbau muskulärer Restfunktionen durch spezielle Trainingsprogramme.
Rollstuhlmobilitätstraining
Diese sehr spezielle Art der Sporttherapie richtet sich an alle Para- und Tetraplegiker vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen. Ziele des Rollstuhlmobilitätstrainings sind in erster Linie Rollstuhlbeherrschung, Selbstständigkeit und Mobilität, Bewältigung baulicher Hindernisse, Inanspruchnahme von Fremdhilfe. Diese Ziele werden durch ein zeitlich abgestuftes Rollstuhlgebrauchstraining, das Vier-Stufen-Training zur Mobilität, erreicht. Inhalte dieses Trainings sind: Antrieb des Rollstuhls, Kippverhalten des Rollstuhls, Grundlegende Fahrtechniken, Ankippen des Rollstuhls, das Überwinden einfacher Hindernisse, Bordsteinkantenfahren, Rolltreppen- und Geländefahren, Einweisung in die Benutzung von Rollstuhl-Bikes.
Mit dem Abschluss des Rollstuhlmobilitätstrainings wird ein hoher Grad an Selbstständigkeit erreicht. Gleichgewichtsfähigkeit und fahrerisches Können sind in hohem Maße entwickelt, so dass die Fahrtechniken der Umgebung angepasst und angemessen auf unvorhergesehene Störungen reagiert werden kann. Im Falle eines Umkippens nach hinten werden verschiedene Strategien entwickelt, damit das Verletzungsrisiko gering gehalten werden kann, wenn es heißt, den Rollstuhl wieder aufzurichten und sich hineinzusetzen.

Rollstuhlmobilitätstraining
Rollstuhlsport
Ein weiteres Ziel der Sporttherapie ist die Vorbereitung der Patienten auf ein langfristiges Sporttreiben außerhalb des Klinikbetriebes. So werden kleine Spiele zur Koordinations- und Ausdauerschulung sowie einzelne technische Elemente aus Rollstuhlsportarten bereits in das Rollstuhl- und Mobilitätstraining eingeflochten.
Patienten, die darüber hinaus an Einzel- oder Mannschaftssportarten interessiert sind, haben die Möglichkeit, in der Sporttherapie technische und taktische Grundlagen ausgewählter Rollstuhl-Sportarten zu erlernen, spezielle Sportrollstühle oder Sportgeräte auszuprobieren und den Umgang mit sportartspezifischen Hilfsmitteln zu erlernen. Letzteres gilt vor allem für Tetraplegiker, die aufgrund nicht vorhandener oder eingeschränkter Handfunktion beispielsweise keinen Tischtennisschläger halten können. Dieser kann dann mit einer Bandage an der Hand fixiert werden.
Zu den Sportarten, die in der Sporttherapie des BUKH erprobt werden können, gehören sowohl Individualsportarten wie Tischtennis, Badminton, Bogenschießen, Kegeln und Handbiking mit Vorspann- oder Liegebikes als auch Mannschaftssportarten wie Rollstuhl-Basketball und Rollstuhl-Rugby. Eine Kooperation mit Rollstuhlsport-Vereinen in der Umgebung, welche die Sporthalle abends als Trainingshalle nutzen, ermöglicht den Patienten schon während ihres Klinikaufenthalts die probeweise Teilnahme am regulären Vereinstraining und einen ersten Erfahrungsaustausch mit Sportlern, die schon viele Jahre dabei sind.

Starterkit
„Vom Kliniksport zum lebenslangen Sporttreiben“ ist ein gemeinsames Ziel der Sporttherapie des BUKH und des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes (DRS), dessen Bundeszentrale sich im BUKH befindet. Kurz vor der Entlassung stehende Patienten können das Servicesystem „Mobil und Fit — Sport im Rollstuhl“ nutzen und bekommen Kontaktadressen heimatnaher Sportvereine übermittelt.
Eine weitere Motivationshilfe ist das sogenannte Starter-Kit: Ein Rucksack als „Rückendeckung“ voller Informationen zu Alltag, Beruf und Sport. Im Mittelpunkt des Starter-Kits steht das Doppel-Taschenbuch „Rad und Tat“ und „Fit im Rolli“ mit wichtigen Themen wie urologische Versorgung, Kfz-Tauglichkeit, Beruf, barrierefreies Wohnen, Urlaub, Rollstuhlsportarten und entsprechenden Expertenadressen. Auch eine DVD zur funktionellen Oberkörpergymnastik für Rollstuhlfahrer mit Handbike-Weltmeister Stefan Lange enthält viele praktische Ratschläge und motiviert zum Mitmachen.Weitere Infos finden Sie auf der Homepage des DRS.