Situations- und Krankheitsverarbeitung

Am Querschnittgelähmtenzentrum des BUKH arbeiten zwei Psychologen in Vollzeitstellen. Sie sind auf die verschiedenen Stationen verteilt und zuständig für die aufsuchende psychologische Arbeit, die hier geleistet wird. Ein wesentlicher Teil dieser Arbeit ist das persönliche, therapeutische oder Beratungsgespräch. Im Erstkontakt, der so bald wie möglich nach Aufnahme stattfindet, erfolgt eine Klärung der persönlichen Situation. In dieser ersten Zeit stehen Hoffnungen, Ängste, Unfallhergang, Fragen von Schuld und Verantwortung, erlittene Verluste und das alte Leben im Gespräch im Vordergrund.

Häufig ist es einfach erleichternd, über die belastenden Dinge zu sprechen, um schließlich eine Lösung der Probleme anzugehen oder sich Alternativen zu erarbeiten. Das gelingt nicht immer sofort, weil Betroffene vielfach noch Monate lang Hoffnungen haben, dass sich Funktionen wieder herstellen lassen, und sich deshalb nicht rechtzeitig um notwendige Dinge kümmern (Rollstuhl, neue Wohnung, Umbau, Hilfsmittel).

Wichtiger Aspekt ist im Gespräch der Hinweis, dass in dieser ersten Zeit krisenhafte Gefühle auftreten können, die ungewohnt und beängstigend sind. Die Tatsache, dass man noch eine ganze Zeit lang nach dem Unfall oder Ereignis in einer seelischen Krise ist, muss erst erkannt werden. Das bedeutet nicht, dass man ständig weint oder hilflos ist, sondern man ist seelisch instabil, es existiert noch keine tragende Perspektive und ein Abschied vom alten Leben steht erst bevor. Gefühlsmäßig ist manchmal eher Gleichgültigkeit, Hoffnung, Ärger, Verleugnung im Vordergund.

Die Trauer über die erlittenen Verluste von Funktionen und Lebensperspektive ist schmerzlich, aber ohne sich diesen schmerzhaften Gefühlen wirklich zu stellen, gelingt es meist nicht, neue Wege zu finden und den Unfall “hinter sich zu lassen”. Die Psychologen versuchen, diesen Schritt durch die Trauerphase zu erleichtern und die PatientInnen darin konstruktiv zu begleiten.

Manchmal gibt es weitere Hindernisse im Verlauf: Komplikationen wie kurzfristige, aber nicht weitreichende Funktionsgewinne, die Hoffnungen auf weitere Wiederherstellung nähren, Angehörige, die dem Betroffenen verbieten zu trauern oder Konflikte mit Personal oder Mitpatienten, die viel Energie binden, die man eigentlich für die seelische Gesundung braucht. Auch hier versuchen die Fachkräfte im Gespräch zu helfen.
Die Zusammenarbeit erfordert den freiwilligen Zugang zu psychotherapeutischen Leistungen, es finden keine zwangsweisen Kontakte statt.

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