Psychologische Schmerztherapie bei starken chronischen Schmerzen oder Spastik

Welches Ziel verfolgt die psychologische Schmerztherapie?

Wir versuchen mit Hilfe spezieller Entspannungsverfahren, die Schmerzwahrnehmung zu reduzieren und dem Patienten eine Möglichkeit der Selbststeuerung und Selbstkontrolle an die Hand zu geben. Hierfür muss ein geeignetes Entspannungsverfahren gut trainiert werden. Eine Beseitigung von chronischen Schmerzen ist meist nicht möglich und auch nicht das Ziel der psychologischen Methoden. Vielmehr geht es um die Reduzierung der Schmerzstärke und um das Erkennen von Zusammenhängen zwischen Schmerz und psychischen Faktoren wie Angst, Stress, Depression und Wut.

Was ist der Unterschied zwischen akutem und chronischem Schmerz?

Seit über 30 Jahren ist bekannt, dass chronischen Schmerzkrankheiten zwar meist ein akutes Schmerzstadium vorausgeht (z. B. Verletzungen, Erkrankungen), chronische Schmerzen sich aber im weiteren Verlauf grundsätzlich von akuten unterscheiden.

Bei akutem Schmerz erzeugt das Nervensystem Schmerzimpulse aufgrund von Organschäden, die den Organismus sicher darauf hinweisen, dass “etwas nicht in Ordnung ist” (Signalfunktion). Wiederholte Schmerzimpulse verändern den Informationsablauf im Nervensystem des Menschen, so dass dieses auch ohne akute körperliche Schäden weiterhin Schmerzimpulse erzeugen kann.

Mit der Chronifizierung wird somit aus der wichtigen Warnfunktion des Schmerzes häufig ein falscher Alarm; die bewusste Schmerzempfindung gibt uns dann keine genaue Auskunft mehr, ob und wo ein organischer Schaden vorliegt. Als “schlechte Angewohnheit des Nervensystems” sind chronische Schmerzen vergleichbar mit ungünstigen Trainingseffekten beim Sport oder Musizieren, aber ähneln auch dysfunktionalen Denk- und Empfindungsgewohnheiten. Einmal entstanden, sind solche neuronalen Fehleinstellungen häufig so hochgradig automatisiert, dass sie sich der bewussten Wahrnehmung und Kontrolle weitgehend entziehen.

Weitere Möglichkeiten für die Entstehung und Aufrechterhaltung chronischer Schmerzen bestehen in der dauerhaften Schädigung von Nervenzellen, wie bei einer Querschnittlähmung. Hier werden vormals gehemmte Impulse ungefiltert an das Gehirn weitergeleitet und dort als Schmerz verschiedenster Qualität dekodiert. Die sind die sogenannten Mißempfindungen, die bei Querschnittgelähmten häufig im gelähmten Bereich beschrieben werden, manchmal als Brennen, Stechen, Reißen, im weniger unangenehmen Fall als Kribbeln, entweder im gesamten gelähmten Gebiet oder in Teilen davon. Typisch ist auch das sogenannte Ring-Panzergefühl im Bereich des Schädigungsgebietes, das ringförmig den Körper umfasst. Diese Mißempfindungen sind ähnlich dem Phantomschmerz bei Amputierten zu sehen, wo die schmerzenden Gliedmassen nicht mehr vorhanden sind. Bei der Querschnittlähmung ist lediglich die sensorische Verbindung zwischen dem gelähmten Gebiet und dem Gehirn nicht mehr vorhanden, die Schmerzimpulse werden jedoch als sehr real erlebt.

Wie wird in der psychologischen Schmerztherapie vorgegangen?

Das gesamte Fühlen und Handeln ist betroffen, was wiederum die Entstehung weiterer Schmerzimpulse fördern kann. Folglich ist bei chronischen Schmerzen in einem ersten Schritt zu prüfen, welcher Anteil der bewussten Schmerzempfindung vorwiegend auf organische Schäden rückführbar ist und welcher besser durch Funktionsstörungen bzw. durch ein mehrmonatiges neuronales Fehltraining erklärbar ist. Tragen Funktionsstörungen und/oder Fehltrainingseffekte wesentlich zur Schmerzempfindung und weiteren Beeinträchtigungen bei, ist eine PST angezeigt, die sich in der Regel aus folgenden Abschnitten zusammensetzt:

Welches sind die Rahmenbedingungen?

Die Durchführung einer PST (Psychologische Schmerztherapie) setzt beim Psychotherapeuten Erfahrungen in wissenschaftlich begründeten Psychotherapieverfahren voraus und erfordert umfangreiche fachübergeifende Kenntnisse über das Phänomen “Schmerz”. Beim Patienten hat sich eine aktive Mitgestaltung am Behandlungsgeschehen als besonders günstig für spätere Therapieerfolge erwiesen, da ein Großteil der Übungen außerhalb der Behandlungsstunden unter realen Anforderungen des täglichen Leben durchgeführt werden muss. Wir arbeiten im Querschnittgelähmten-Zentrum des BUKH mit Hilfe von speziellen Fragebögen und Tagesprotokollen, in die regelmäßig die Schmerzstärke eingetragen werden muss, um Veränderungen und deren Ursachen genauer zu erfassen.

Text teilweise entnommen aus: www.dgpsf.de – “Deutsche Gesellschaft für Psychologische Schmerztherapie”

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