Rehabilitation von Atemgelähmten – Die Station 41
Um der anspruchsvollen Rehabilitation atemgelähmter Tetraplegiker und ihren speziellen Bedürfnissen gerecht zu werden, wurde im Juli 2004 die Station 41 im Querschnittgelähmten-Zentrum des Unfallkrankenhauses Hamburg eröffnet. Es handelt sich um eine moderne Beatmungsstation mit sieben geräumigen Einzelzimmern, welche mit entsprechenden Beatmungsgeräten und Überwachungsmonitoren ausgerüstet sind. Um keinen Intensivstationscharakter aufkommen zu lassen wurde die Station farblich in hellen Pastelltönen gestaltet und ansprechendes Holzmobiliar verwendet. In einigen Zimmern sind Deckengemälde angebracht, die etwas Anregung vermitteln sollen.
Pflegerisch betreuen wir unsere Patienten in Bezugspflegegruppen, welche von der Aufnahme bis zur Entlassung die Pflege mit dem Patienten zusammen planen und überprüfen. In unserem Team findet sich ein hoher Grad an Erfahrung und Spezialwissen bezüglich der Pflege dauerbeatmungspflichtiger Patienten. Gepaart mit viel Motivation und Kreativität versuchen wir unsere Patienten optimal zu betreuen. Ob im Bett, im Rollstuhl oder unter der Dusche: der Umgang mit beatmungspflichtigen Patienten ist immer wieder eine zu meisternde Herausforderung!
Eine Besonderheit der Versorgung von Atemgelähmten auf der Station 41 ist die Implantation eines Zwerchfellnerven-Schrittmachers. Darin sehen wir wesentliche Vorteile gegenüber der maschinellen Dauerbeatmung: die pulmonale Situation verbessert sich deutlich, da diese Beatmungsform physiologischer ist. Günstig wirkt sich der Schrittmacher auch auf die Sprechfähigkeit aus. Des Weiteren ist das Handling des Patienten in der Pflege deutlich erleichtert. Nicht zu unterschätzen ist auch die psychologische Wirkung auf den Patienten: das Selbstbild ohne Beatmungsschlauch ist einfach ein anderes.
Das Ziel der Rehabilitation ist die Entlassung des Atemgelähmten nach Hause in die eigene Wohnumgebung, die manchmal erst geschaffen werden muss. Der Weg dorthin ist lang und oftmals steinig. In der ersten Zeit stehen oft medizinische Probleme im Vordergrund, aber so bald wie möglich werden unsere Patienten in den Rollstuhl mobilisiert. Der Schwerpunkt verschiebt sich dann immer weiter in Richtung Rehabilitation.
Wichtige Ziele sind dabei:
- die Phonation: das Erlernen des Sprechens unter Beatmung
- Mobilität: der Umgang mit einem Elektrorollstuhl, z. B. per Kinnsteuerung
- Beschäftigung: der Umgang mit angepassten Laptops und Umweltkontrollgeräten
- Freizeitaktivitäten: unsere Patienten sollen soweit wie möglich am normalen Leben teilnehmen. Deshalb organisieren und begleiten wir Ausfahrten zum Beispiel nach Hause, ins Kino, zu Konzerten oder einfach in das nächste Einkaufszentrum
An der Rehabilitation sind viele Berufsgruppen beteiligt. Dieses multiprofessionelle Team trifft sich regelmäßig zu Fallbesprechungen, um den komplexen Prozeß der Rehabilitation zu steuern. Das Schaffen einer behindertengerechten und lebenswerten Wohnsituation gerät zunehmend zu einer echten Herausforderung!
Rückt die Entlassung näher, wird das den Patienten übernehmende Pflegeteam von uns eingearbeitet. Dies ist oftmals über mehrere Tage notwendig, da eine Vielzahl von speziellen Pflegetechniken und ein solides Basiswissen über hohe Querschnittlähmung sowie Beatmung vermittelt werden muss, um die Sicherheit und Professionalität in der Pflege auch für zu Hause zu sichern.