Medizinisches Angebot

Schädigungen des zentralen oder peripheren Nervensystems führen bei betroffenen Patienten meist auch zu Blasenfehlfunktionen.

Die Wahl der richtigen Behandlungsstrategie orientiert sich dabei an der jeweiligen Störung der Speicher- und Entleerungsfunktion der Harnblase. Insofern ist eine präzise Diagnostik im Vorfeld der Behandlung von großer Bedeutung. Zudem muss der Erfolg der therapeutischen Maßnahmen regelmäßig evaluiert werden.

In der neuro-urologischen Abteilung des BG Klinikum Hamburg stehen den Fachärzten für eine umfassende Diagnostik zwei komplexe urodynamische Mehrkanal-Messplätze, davon einer mit digitaler Röntgendurchleuchtung (Video-Urodynamik), zur Verfügung. 

Die anschließenden Behandlungsstrategien werden auf jeden Patienten, dessen Befunde, aber auch seine Fähigkeiten und Wünsche individuell ausgerichtet. 

Behandlungsspektrum

  • Umfassende Diagnostik neurogener Blasenfunktionsstörungen einschließlich Video-Urodynamik
  • Endoskopische Diagnostik des unteren Harntraktes
  • Komplexe Therapie von neurogenen Blasenfunktionsstörungen: medikamentös, Minimal-invasiv (z.B. mit Botulinumtoxin-Injektionen in den Blasenmuskel) und operativ (u.a. durch „Sakrale Neuromodulation“)
  • Urologische Basisdiagnostik einschließlich Ultraschall- und Röntgen-Untersuchungen des Harntraktes sowie mikrobiologischer Untersuchungen
  • Diagnostik und Therapie von Sexualfunktionsstörungen
  • Kinderwunsch-Behandlung in Zusammenarbeit mit einem Fertilitätszentrum
  • Diagnostik und (Mit-)Behandlung von Enddarm-Funktionsstörungen
  • Gynäkologische Untersuchungen (mit konsiliarischer Gynäkologin)
 Bewährte und aktuelle Therapiemethoden

Mit gutem Erfolg wird seit zwölf Jahren die gezielte Injektion von zeitweise lähmenden Substanzen (Botulinum-A-Toxin) in den Blasenmuskel (Detrusor) angewendet, gelegentlich auch in den Harnröhren-Schließmuskel (Sphincter externus). Ernsthafte Nebenwirkungen oder Komplikationen dieser Behandlung wurden im BG Klinikum Hamburg bisher selten beobachtet.

Bei speziellen Befundkonstellationen kommen moderne elektro-physiologische Behandlungsverfahren wie die „Sakrale Neuromodulation“ zur Anwendung. Hierbei werden die Kreuzbein-Nerven elektrisch stimuliert und so die Funktion der Beckenorgane wie Harnblase, Mastdarm und Beckenboden-Muskulatur günstig beeinflusst. Die operative Implantation eines dauerhaften Impulsgebers („Schrittmacher") kommt nach einer erfolgreichen Austestung der Wirksamkeit in Frage. Durch dieses Verfahren sind zunehmend auch komplizierte Funktionsstörungen des Mastdarms behandelbar geworden. In diesen Fragen existiert eine enge Zusammenarbeit mit den Chirurgen des Querschnittgelähmten-Zentrum.

 Ärztliche Kinderwunsch-Behandlung

Die Themen „Sexualität und Kinderwunsch” bilden einen weiteren Schwerpunkt. Für querschnittgelähmte Patienten und Patientinnen wird nach Voranmeldung (Tel. 040 7306-3609) eine ärztliche Beratung angeboten. Hier werden alle notwendigen diagnostischen und therapeutischen Schritte in einer offenen Atmosphäre besprochen und eingeleitet.

 Schulungen für Patienten

Ein langfristiger Behandlungserfolg setzt Motivation und Kenntnisse seitens der Patienten voraus. Die Urologen sind daher mit mehreren Themenbereichen an den Patientenschulungen des Querschnittgelähmten-Zentrum (Infogruppen) beteiligt. Die Patienten selbst werden so durch erweitertes Wissen zu Experten in eigener Sache.

  Leitender Arzt

Dr. med. Ralf Böthig

Abteilung für Neuro-Urologie

Sekretariat:
Katja Buchholz-Falck

  040 7306-2608   040 7306-2621   r.boethig­(at)bgk-hamburg.de