Medizinisches Angebot

Das Expertenteam der Abteilung verfügt über langjährige ärztliche, pflegerische und therapeutische Erfahrung in der Behandlung von akuten und chronischen Knochen-, Gelenk- und Weichteilinfektionen.

Alle Mitarbeiter sind speziell geschult im Management von Problemwunden und besitzen umfassende Kenntnisse über Infektionserreger, deren Ausbreitungswege, chirurgische Behandlungsmöglichkeiten sowie Antibiotika.

Behandlungsspektrum

 Knochenentzündung (Osteitis und Osteomyelitis)

In der Unfallchirurgie und Orthopädie stellt eine Knocheninfektion (Osteitis, Osteomyelitis) eine schwerwiegende Komplikation dar. Sie tritt zumeist bei Knochenbrüchen und deren operativer Versorgung auf und wird durch eine Kontamination mit Bakterien verursacht.

Bei inkonsequenter Therapie ist die Rückfallquote relativ hoch, die Dauer und Kosten der Behandlung steigen erheblich.

Im Fall einer akuten Knochenentzündung handelt es sich in aller Regel um eine Frühinfektion nach der operativen Stabilisierung eines Bruches. Hier kann versucht werden, die Infektion zu beruhigen.

Langwieriger ist die Behandlung von chronischen Knocheninfektionen. Nach der Infektionsberuhigung folgt im zweiten operativen Schritt die Behandlung möglicher vorliegender Haut-Weichteil-Defekte, vier bis sechs Wochen später dann der Knochendefektaufbau (Segmenttransport, Spongiosaplastik). Begleitend durchläuft der Patient ein umfassendes Reha-Programm mit Physiotherapie, Hydro-, Ergo-, Sport- und Gehschultherapie.

 Gelenkinfektionen

Unbehandelte Gelenkinfektionen haben gravierende Folgen: Der Befall eines Gelenkes durch pathogene Erreger, meistens Bakterien, führt zu einer Entzündung und schließlich zu der Zerstörung des Gelenks.

Die häufigsten Ursachen sind gelenknahe offene Frakturen oder perforierende Verletzungen. Nicht selten entstehen Gelenkinfektionen nach diagnostischen Arthroskopien (Gelenkspiegelungen) und arthroskopischen Operationen.

In der Therapie ist die akute Infektion von der chronischen Infektion zu unterscheiden. Eine akute Gelenkinfektion stellt einen unfallchirurgischen Notfall dar und bedarf der sofortigen Intervention von einem erfahrenen Operateur.

Ziel der Therapie von Gelenkinfektionen ist die dauerhafte Infektberuhigung und der Erhalt eines stabilen Gelenkes sowie einer belastungsfähigen Extremität. 

Unerlässlich für ein gutes Behandlungsergebnis ist es, direkt nach dem Eingriff mit der postoperativen Physiotherapie zu beginnen.

 Infizierte Prothesen

In seltenen Fällen kommt es nach der Versorgung eines Patienten mit einer Prothese zu einer Entzündung des Kunstgelenks durch Bakterien. Diese sogenannte periprothetische Infektion stellt eine äußerst schwerwiegende Komplikation dar, die frühzeitig diagnostiziert und konsequent chirurgisch und antibiotisch behandelt werden muss.

Bei der periprothetischen Infektion unterscheidet man die akute Infektion von der chronischen Infektion. Bei klinischem Verdacht auf eine akute Protheseninfektion ist eine Diagnose zwingend erforderlich. Auf die korrekten Anamneseerhebung, eine klinische Untersuchung sowie die Laboruntersuchung folgt eine Gelenkpunktion.

Bei der akuten Protheseninfektion kann die Prothese erhalten werden, wenn sie ungelockert einliegt. Anders stellt sich die Situation bei der chronischen periprothetischen Infektion dar. Die einliegende Prothese muss ausgebaut und entzündlich veränderte und abgestorbene Gewebeanteile entfernt werden. Sobald der Infekt sich beruhigt hat, wird nach sechs bis acht Wochen ein neues künstliches Gelenk eingebaut.

 Diabetisches Fußsyndrom

Von den in Deutschland lebenden sechs bis acht Millionen Diabetikern sind über ein Viertel im Laufe ihres Leben von dem diabetischen Fußsyndrom betroffen. Ursachen sind die diabetische Neuropathie (Schädigung der Nerven) sowie die diabetische Angiopathie (Schädigung der Blutgefäße), häufig auch eine Kombination beider Faktoren. Die Behandlung ist komplex und erfolgt dem Krankheitsstadium entsprechend multidisziplinär.

Weichteilinfektionen und auch begrenzte Entzündungen der Mittelfuß- und Fußwurzelknochen lassen sich durch konservative Maßnahmen (Wundmanagement, orthopädische Schuhe) oder kleine operative Eingriffe beruhigen. Ausgedehnte Entzündungen machen hingegen aufwändige mehrzeitige Operationsverfahren notwendig, um eine belastungsfähige Extremität wiederherzustellen.

Im Anschluss werden die Patienten im BGKH mit orthopädischen Hilfsmitteln versorgt. Die Nachbetreuung erfolgt auch ambulant über die Osteitis-Sprechstunde.

 Knochenentzündungen bei Kindern

Unter einer Knocheninfektion bei Kindern versteht man die entzündliche Affektion des Knochens, des Knochenmarkes und der Knochenhaut. Häufigste Ursache ist eine Infektion oder ein Streuherd, von dem aus die Keime über die Blutbahn zum Knochen gelangen. Ausgangspunkt können Zähne, Mandeln, Blutergüsse oder geschlossene Frakturen sein. Weiterhin treten Knocheninfektionen als Folge von Verletzungen (Offene Frakturen, Weichteilverletzungen) oder als Komplikationen von Operationen (Osteosynthesen, Punktionen) auf.

Die Therapie der Knocheninfektion ist abhängig von der Dauer ihres Bestehens und den klinischen Befunden. Innerhalb der ersten 48 Stunden ist sie konservativ (Gabe von Antibiotika, Ruhigstellung). Bei ausbleibender Besserung der Symptome, einem länger andauernden Infektgeschehen, Veränderungen am Knochen oder einer Eiteransammlung (Abszess) steht eine operative Therapie an.
Die Behandlung der kindlichen Knocheninfektion erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg-Rahlstedt.

 Management von chronischen Wunden

Ein weiterer Schwerpunkt der Abteilung ist die Behandlung von Patienten mit chronischen Wunden. Diese können verursacht werden durch Knochenentzündungen, Weichteilinfektionen, arterielle Durchblutungsstörungen, venöse Leiden (Krampfadern) oder Diabetes mellitus.


Die Behandlung chronischer Wunden ist abhängig von deren Ursache. In jedem Fall erfordert sie eine besondere Zusammenarbeit zwischen stationärer und ambulanter Medizin und allen daran beteiligten Gruppen (Ärzten, Pflegefachkräften, Schmerztherapeuten, Physiotherapeuten, Apothekern und Orthopädietechnikern). Den Behandlungsteams gehören ebenfalls immer Krankenschwestern und -pfleger mit spezieller Weiterbildung zum Wundtherapeuten an.


Die operative oder konservative Therapie erfolgt entweder im Rahmen eines stationären Aufenthaltes oder ambulant in der Osteitis-Sprechstunde. Sie wird entsprechend des aktuellsten wissenschaftlichen Standards durchgeführt und basiert auf dem phasenadaptierten Wundkonzept.

 Folgezustände nach Infektionen
  • begleitende Hautweichteilinfekte- und defekte
  • Knochendefekte
  • Gelenkkontrakturen
  • Beinlängenunterschiede (z. B. Verkürzung)
  • Achsfehlstellungen
 Segmenttransport

Der Segmenttransport macht den Aufbau auch größerer Knochendefekte möglich und sinnvoll. Dazu werden nach der Entfernung jener Knochensegmente, die durch Infektionen beschädigt sind, die verbliebenen Knochenenden fixiert und mit einer Drahtkonstruktion verbunden. In dem Spalt entsteht durch einen ausgelösten Dehnungsreiz  ein Weichgewebegerüst, in dem sich schließlich eine neue Knochensubstanz bildet. Dieser Knochen kann nach Monaten oder Jahren die Substanz und Belastungsfähigkeit eines typischen Knochens erreichen.


Mit der Zeit baut sich an dieser Stelle wieder ein typischer Röhrenknochen auf, der nach einer Ruhephase und anschließendem Muskeltraining auch hart und belastungsfähig wird. Dieser Prozess kann, je nach Größe des zu füllenden Defekts, Monate oder gar Jahre dauern und erfordert Geduld und Präzision.

Der Segmenttransport kann mittels verschiedener externer Fixateure durchgeführt werden, im BGKH wird meist der Ilisarow-Ringfixateur verwendet.

 Ambulante Betreuung in der Osteitis-Sprechstunde

Neben der stationären Behandlung findet die ambulante Patientenbetreuung in der Osteitis-Sprechstunde statt:

  • Erstvorstellungen
  • Zweit-Meinungen
  • konsilliarische Vorstellungen
  • regelmäßige Verlaufskontrollen nach Entlassung
  • Steuerung der Heilverfahren
  • Verordnen, Beraten und Überprüfen von Hilfsmittel und orthopädischer Schuhversorgung/Prothesen
  • komplexe Verbandswechsel bei Fixateuren und chronischen Wunden

Bitte beachten!

Sollte eine Besiedelung mit einem multiresistenten Erreger (MRSA, VRE, ESBL, 3MRGN, 4MRGN) nachgewiesen sein, so wird darum gebeten, dies vorab telefonisch mitzuteilen. Um längere Wartezeiten zu ersparen werden dann alle entsprechenden Vorkehrungen eingeleitet.

  Chefarzt

Dr. med. Ulf-Joachim Gerlach

Septische Unfallchirurgie und Orthopädie

Sekretariat:
Nadine Arndt

  040 7306-2413   040 7306-2407   u.j.gerlach­(at)bgk-hamburg.de