Tiergestützte Therapie

Hippotherapie in der Neurologie

Der Begriff der Hippotherapie kommt aus dem Griechischen (hippos = Pferd) und stellt eine spezielle Therapieform dar. Dabei geht es nicht um das Reiten im herkömmlichen Sinne, sondern um eine Behandlungsform, die sich die dreidimensionalen Bewegungen des Pferdes zu Nutze macht und sich therapeutisch günstig auf den Patienten auswirkt. Die Hippotherapie findet einmal wöchentlich über einen Zeitraum von drei Stunden in Zusammenarbeit mit einem nahegelegenen Reitstall statt. Durchgeführt wird sie von jeweils einem Ergo- und einem Physiotherapeuten. Die Behandlungsschwerpunkte sind hierbei vorwiegend im motorischen Bereich angesiedelt:

  • Regulierung der Muskelspannung
  • Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit, insbesondere Becken und Unterkörper
  • Rumpfaufrichtung
  • Muskeldehnung
  • Koordinationsschulung
  • Symmetrieaufbau
  • Schmerzlinderung
  • Veränderung der Sensibilität

Als Form der tiergestützten Therapie ist die Hippotherapie gerade auch für schwerbetroffene Patienten eine besondere Möglichkeit zur Förderung von Kontaktaufnahme, Motivation und Eigenaktivität. Die gemeinsame Anreise im Bus sowie das Frühstück eignen sich ebenfalls dafür, die Patienten im Bereich der lebenspraktischen Aktivitäten, im Sozialverhalten und im emotionalen Bereich zu fördern.

Hippotherapie

Hippotherapie

Einsatz eines Therapiebegleithundes

Schon in den sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts hat der Kinderpsychiater Boris Levinson in den USA mit seinem Retriever die Erfahrung gemacht, dass Kinder in Gegenwart seines Hundes besser ansprechbar waren. Seitdem hat sich die tiergestützte Therapie zunehmend etabliert – auch in Deutschland. Die förderlichen Einflüsse des Tierkontaktes werden wie folgt beschrieben und zunehmend wissenschaftlich nachgewiesen:

  • Tiere beeinflussen das seelische Wohlbefinden des Menschen positiv
  • Tiere können das Bedürfnis nach Nähe und Körperkontakt befriedigen
  • Tiere sind nicht problematisierend, sie akzeptieren einen Menschen wie er ist
  • Gefühle wie Einsamkeit, Depression oder Heimweh werden durch das Erleben von Freude im Umgang mit dem Tier reduziert
  • Tiere haben einen Aufforderungscharakter und wirken motivierend und aktivierend

Therapiebegleithunde im Einsatz

Therapiebegleithunde im Einsatz

Seit Januar 2006 arbeiten zwei Therapie-Begleithund-Teams (jeweils eine Therapeutin mit ihrem ausgebildeten Hund) in der Ergotherapie und in der Physiotherapie. Diese Behandlungen haben ihren Schwerpunkt nicht nur im sozio-emotionalen Bereich, sondern schließen auch ein motorisch-funktionelles Training und kognitive Übungen ein. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass allein die Tatsache, dass ein Hund Bestandteil der Therapie ist, motivierend und ablenkend wirkt. Das eigentliche Therapieziel steht für den Patienten nicht mehr im Vordergrund. Er bemerkt nicht, dass er beispielsweise sein Gleichgewicht trainiert, wenn er sich vorbeugt, den Hund streichelt oder mit ihm spielt. Außerdem bieten Hunde Gesprächsstoff; sie fungieren als Mittler und erleichtern Patienten den Kontakt zu Menschen.

« Zurück zur Übersicht