Unentgeltliche Behandlung von ausländischen Kindern

Unentgeltliche Behandlung ausländischer Kinder

In den letzten 8 Jahren wurden in der Abteilung für Septische Unfallchirurgie und Orthopädie des BG Klinikum Hamburg ca. 70 ausländische Kinder mit Infektion der Knochen oder Gelenke und den Folgezuständen nach Knochen- oder Gelenkinfektionen wie begleitende Hautweichteilinfekte und -defekte, Knochendefekte, Gelenkkontrakturen, Beinlängenunterschiede (z. B. Verkürzung) und Achsfehlstellungen behandelt. In dem gleichen Zeitraum erfolgte die Mitbehandlung von ausländischen Kindern in anderen Krankenhäusern (wie z.B. Katholisches Kinderkrankenhaus Wilhelmstift) einschließlich operativer Maßnahmen. Zurzeit werden in der Klinik fünf ausländische Kinder versorgt, abwechselnd ambulant und stationär. Die Behandlungskosten werden vom Krankenhausträger übernommen.

Die Kinder kommen in den meisten Fällen aus Afghanistan und Angola zur Behandlung in das BGKH. Die Vermittlung dieser Kinder erfolgt über Hilfsorganisationen wie Friedensdorf, Robin Aid oder Hammer Forum.

Die Knochen- und Gelenkinfektionen entstehen bei Kindern als über die Blutbahn fortgeleitete Infektion (Osteomyelitis) bei Entzündung an anderer Lokalisation (Tonsillitis, Sinusitis, Otitis, Zahninfektion). Bei den abwehrgeschwächten und mangelernährten Kindern treten diese Infektionen wie auch bei Kindern mit Sichelzellanämie (Malariagebiete) sehr viel häufiger auf als in Europa.

Neben den hämatogen verursachten Infektionen weisen die Kinder Knochen- und Gelenkinfektionen nach offenen Frakturen und aufgrund von Komplikationen nach operativen Eingriffen auf. Ursächlich für die offenen Frakturen, die im Verlauf zu den Infektionen führen, sind häufig Kriegsverletzungen, wie Schuss- oder Minenverletzungen. Die hygienischen Verhältnisse in den Krankenhäusern vor Ort sind mit dem Standard hier nicht zu vergleichen.

In der Heimat ist die Behandlung von Knochen-, Gelenk- und Weichteilinfektionen kaum möglich und führt häufig zu Amputation mit nachfolgender Ausgrenzung und sozialer Isolierung. Es ist nicht bekannt, wie viele Kinder an einer solchen Infektion versterben.

Die Behandlung ist aufwendig, anspruchsvoll und langwierig. Die Therapie gliedert sich grundsätzlich in mehrere Schritte.  Bei der Therapie ist der erste Schritt entscheidend, bei dem konsequent alle entzündeten und avitalen Knochenanteile operativ entfernt werden müssen. Nur dann ist ein wiederholtes Auftreten von Knochen- und Gelenkentzündungen zu vermeiden. Die Stabilisierung erfolgt in aller Regel mit einem Fixateur externe, häufig mit dem Ilizarov-Ringfixateur. In einem zweiten operativen Schritt erfolgt die Behandlung von Haut- und Weichteildefekten. Wenn sich die Entzündung beruhigt hat, wird der Knochen wieder aufgebaut, entweder durch Knochentransplantation nach Entnahme von den Beckenkämmen oder durch den Segmenttransport. Gleichzeitig werden vorliegende Begleitveränderungen wie  Achsfehlstellungen oder Extremitätenverkürzungen korrigiert.

Nach Beendigung der stationären Aufenthalte werden die Kinder von den Hilfsorganisationen weiterbetreut und in regelmäßigen Abständen in der Osteitis-Sprechstunde vorgestellt. Nach Abschluss der Behandlung werden die Kinder wieder in ihre Heimatländer zurückgeflogen.